Hands-on Community Building in der Online Lehre (A2, Material) – DLT (2022)

Persönliche Beziehungen und Interaktion in der Online Lehre

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Eine besondere Herausforderung im Bereich der Online Lehre ist es, persönliche Beziehungen aufzubauen, die Interaktion und Kommunikation aufrecht und lebendig zu erhalten und gruppendynamische Prozesse entstehen und sich entwickeln zu lassen. Hier finden Sie einige Möglichkeiten, wie Sie als Lehrende*r die soziale Einbindung der Studierenden fördern können.

Inhaltstyp Material
Checkliste
Niveau: A2
Hands-on Community Building in der Online Lehre (A2, Material) – DLT (1)

Start der LVA

  • Stellen Sie sich vor
    – beruflich sowie auch persönlich (z.B. Ihre Hobbies) – somit bauen Sie persönliche Beziehungen auf, die in der Fernlehre wichtig sind. Sie können auch ein kurzes Video erstellen.
  • Stellen Sie den Syllabus zur Verfügung
    Stellen Sie Ihren Studierenden Ihren Lehrplan so detailliert wie möglich vor. Der Syllabus beschreibt die organisatorischen Rahmenbedingungen wie den Inhalt der Lehrveranstaltung, deren Voraussetzungen, Lernziele und Beurteilungsverfahren. Ein Syllabus ist wichtig, damit die Studierenden auch ihre Zeit zum Lernen planen können, und wissen welche und wie Leistungsnachweise bewertet werden. Hier finden Sie unsere Syllabus Vorlage.
  • Erstellen Sie eine class netiquette
    Erstellen Sie alleine oder mit den Studierenden Regeln für die Lehre bezüglich Kommunikation von Abwesenheiten, Art und Möglichkeit der Rückfragen, eine „Nettiquette“ – Umgang in der online Kommunikation, Verbindlichkeit von Zeitplänen und Arbeitsaufträgen etc.

Icebreakers im online Unterricht

Icebreakers sind Aktivitäten und Übungen im Unterricht, die Sie nutzen können, um den Studierenden die Möglichkeit der Vernetzung und des Austausches zu erleichtern und eine positive Atmosphäre zu verstärken. Möglichkeiten kennen Sie sicherlich viele aus dem Präsenzunterricht, hier einige ausgewählte Beispiele inkl. möglicher Tools für die Umsetzung:

Beispiel 1: “Sich gegenseitig vorstellen” – Icebreaker zum Kennenlernen

  1. Teilen Sie die Studierenden in 2er Gruppen.
  2. Geben Sie ihnen eine Liste mit Fragen, die sie sich gegenseitig stellen.
  3. Jedes Studierenden-Paar interviewt sich nun gegenseitig in z.B. Chat in MS Teams
  4. Mit kleineren Gruppen: Wenn alle wieder im gleichen virtuellen Raum sind, stellt jede*r Studierende*r seine*n Interviewpartner*in vor.
    Mit größeren Gruppen: Als Ergebnisse postet jede*r Studierende*r die Vorstellung (Video, Audio Datei, Text) seine*n/ihre*n Interviewpartner*in z.B. in Padlet.

Beispiel 2: “Ein Wort oder ein Bild” – Aktivität

  1. Jede*r Studierende*r sucht ein Wort/Bild, das sie*ihn oder sein*ihr Leben am besten beschreibt und überlegt sich warum. (Eine Alternative ist, einen Ort in der Welt aussuchen zu lassen, den man gerne bereisen will oder der am besten zu einem passt)
  2. Nun teilen die Studierenden ihre Antworten im Chat oder am virtuellen whiteboard.
  3. Mögliche Tools: OneNote Registerkarte in MS Teams, Padlet, Lino oder ein Wiki.

Beispiel 3: Icebreaker Teambuilding: „Gleich und Unterschiedlich“

Sich über Gemeinsamkeiten in einer Online-Live Sitzung kennenlernen oder in einem bestehenden Team sich noch besser kennenlernen und die Kommunikation verbessern:

  1. Teilen Sie die Studierenden in 3er-Gruppen auf
  2. Jede Gruppe soll eine Liste an interessanten Gemeinsamkeiten erstellen (allgemeines wie Geschlecht etc. vermeiden!). Zudem soll jede*r Studierende*r eine Einzigartigkeit von sich selbst finden und aufschreiben. Es gibt 5 Minuten Zeit für diese Aufgabe.
  3. Nach den 5 Minuten zeigt jedes Team seine Liste/Ergebnisse allen anderen auf einem online whiteboard (Padlet, Lino)

Beispiel 4: Erwartungen an das Seminar in einer Mindmap sammeln

Die Teilnehmenden überlegen anhand von vorgegebenen Fragen, was sie bereits zum Thema wissen und was sie vom Seminar erwarten. Dann tragen sie ihre Erwartungen stichwortartig in eine Mindmap ein und ergänzen sich gegenseitig. Mögliches Tool: Coggle

Hier finden Sie weitere Ideen für Icebreaker – Aktivitäten:

Beispiel 5: Aktivierung der Studierenden

  • Der oder die Veranstalter*in fordert die Teilnehmer*innen dazu auf, einen Gegenstand in der Nähe mit bestimmten Eigenschaften in die Kamera zu halten (z. B. “suchen sie sich etwas Grünes” oder “suchen sie sich einen Gegenstand, der nicht größer ist als ein Fingernagel”)
  • Der oder die Veranstalter*in fordert die Teilnehmer*innen dazu auf, die Kamera zu verdecken. Der Meeting Host stellt dann eine bestimmte Frage: “Wer ist grundsätzlich ein Frühaufsteher?” oder “Wer ist mit dem Fahrrad in die Arbeit gefahren?”, etc.. Die Person, die als erste die Kamera freigibt, darf kurz erzählen, warum.

Geben Sie Ihren Studierenden Raum im Kurs

Ermöglichen Sie Ihren Studierenden, dass sie auch aktiv am Kurs teilnehmen, dass sie miteinander kommunizieren können. Regeln Sie, inwiefern Sie als LVA Leitung in diesen Kommunikationskanälen dabei sein werden: welche Aktivitäten Sie z.B. einmal in der Woche besuchen werden und welche Aktivitäten Sie Ihren Studierenden komplett überlassen.

  • Lassen Sie die Studierenden sich vorstellen und ihre Erwartungen an den Kurs, Vorerfahrungen etc. formulieren. Setzen Sie hierfür eine Deadline!
  • Geben Sie den Studierenden die Möglichkeit, sich auch privat kennenlernen zu können, sich vorstellen zu können, sich miteinander zu unterhalten, eigene Fotos hochzuladen etc. Dieses Forum können Sie Ihren Studierenden überlassen.
  • Virtuelle Kaffee Pause – fördern Sie synchrone virtuelle Treffen Ihrer Studierenden. Geben Sie ihnen die Möglichkeit sich regelmäßig virtuell zu treffen um miteinander zu kommunizieren. (optimal wäre diese Möglichkeit in den Jahrgängen, von den Studiengängen aus organisiert als „online get together“)
  • Bitten Sie Ihre Studierenden, fachliche Fragen (FAQ) nicht per individueller Mail zu stellen, sondern diese stattdessen ins Forum zu schreiben. So stehen die Antworten allen Studierenden zur Verfügung. Ermutigen Sie die Studierenden, sich gegenseitig ihre Fragen zu beantworten; das stärkt zudem das Gemeinschaftsgefühl.

Bieten Sie Support fürs Lernen an

  • Sprechen Sie Ihre Studierenden direkt in Videos an, nehmen Sie Kontakte im Diskussionsforum oder per E-Mail oder im Live-Chat auf. In Moodle Kursen können gut gepflegte Blöcke zu Aktuelle Termine, Neue Aktivitäten hilfreich sein.
  • Setzen Sie Online Sprechstunden z.B. In MS Teams an denen sie auch spontan für Studierende verfügbar sind.
  • Machen Sie regelmäßig Ankündigungen. Sie können eine Zusammenfassung der Woche/eines Blockes oder ein gesamtes Feedback zu den Leistungen Ihrer Studierenden in dem Block /der Woche, als auch nach Ablauf einer Aktivität/ eines Blockes mitteilen oder Termine und Erinnerungen posten. Wenn Sie regelmäßig Informationen an Ihre Studierenden senden, werden diese auch selbst aktiver im Kurs sein und sich stärker dazu aufgefordert fühlen, etwas beizutragen. Sie können schriftliche Ankündigungen machen oder auch kurze Audio oder Video Sequenzen erstellen(direkt inMoodlesehr einfach machbar).
  • Fördern Sie eine sogenannte „Safe Learning Zone“ (d.h. eine offene Lernatmosphäre). Somit ermöglichen Sie allen Studierenden Fragen zu stellen (bei hoher Diversität in der Gruppe oder mehreren Studierenden, die sich nicht/wenig aktiv beteiligen). Sie können dazu z.B. anbieten, dass Studierende in einer Zweier- oder Dreier-Gruppe 1-3 Fragen zusammen vorbereiten.
  • Überlegen Sie, wie gut Ihre Studierenden im Selbstlernen sind. Brauchen die Studierenden diesbezüglich Unterstützung, z.B. durch Lerntandems mit anderen Studierenden oder eine besonders enge Betreuung (z.B. auch regelmäßige Nachfragen per Mail oder Telefonsprechstunden)?
  • Kommunizieren Sie, welche Ansprechpartner*innen bei Fragen/Problemen vorhanden sind, wie diese erreicht werden können.

Fördern Sie aktives lernen

Achten Sie bei einer reinen Online-LVA darauf, eine gemeinschaftliche Lernatmosphäre aktiv zu fördern.

  • Passen Sie die Präsenzaktivitäten an die Fernlehre an. Geben Sie den Studierenden mehr Information wann und was sie erledigen sollten, z.B. “Während der Live Session (Fernlehre Meeting) werden Sie eine Gruppenarbeit von ca. 15 Minuten durchführen. Hier sind die Aufgabenunterlagen, um die Gruppenarbeit effektiv starten zu können. Es ist keine Vorbereitung notwendig”.
  • Überlegen Sie wo möglich nach der Inputphase eine Reflect- und Outputphase.
  • Reichern Sie die Aufgabenstellungen mit geeigneten Videos etc. an oder vertonen Sie Folien.
  • Nutzen Sie Auszeichnungen (Badges) in Ihrem Kurs, um spielerische Settings zu ermöglichen; sie fördern so extrinsische Motivation.
  • Helfen Sie Ihren Studierenden intrinsische Motivation entstehen zu lassen. Zeigen Sie ihnen Anwendungsübungen, Transfer zu nachfolgenden Aufgaben, Simulierte Anwendungen – somit verstärken Sie Zufriedenheit im Lernen.
  • Überlegen Sie wo möglich Soziale Netzwerke als informelle Lernquellen zu integrieren, um den Unterricht aufzulockern und um „seamless learning“, „academic and non-academic learning“, „curricular and co-curricular learning“ zu fördern.
  • Versuchen Sie auch online Spaß in den Unterricht zu bringen. Überlegen Sie, was in Ihrem persönlichen Stil eine passende Form sein könnte: posten Sie ein interessantes YouTube Video, erzählen Sie ein Witz, teilen Sie Ihre persönlichen Erfahrungen mit, etc. Sie werden damit für Studierende als Person „greifbarer“, insbesonders in der Online-Lehre sehr wichtig.
  • Setzen Sie Ziele für einzelne Lernblöcke und verfolgen Sie gemeinsam den Lernfortschritt und Erfolg u.a. durch Evaluierung.
  • Ermöglichen Sie ein Self-Assessment für die Studierenden in Ihrem Kurs, z.B. durch Selbstlerntests oder eine gemeinsame, spielerische Inhaltswiederholung z.B. mit Kahoot
  • Verwenden Sie Umfragen und Live-Voting. Mit Umfragetools können Sie sich schnell einen Überblick über inhaltliche Probleme, organisatorische Bedarfe oder die Arbeit Ihrer Studierenden machen.
    Mögliche Tools:
    • Umfrage/Live Voting: Moodle Abstimmung, Mentimeter
    • Sammlung von offenen Antworten, Brainstorming, Whiteboard: Padlet, Answergarden, Lino, MS Teams – OneNote
  • Bauen Sie Gruppenarbeiten in die Online-Lehre ein, z. B. teilen Sie den Gruppen unterschiedliche Aufgaben zu und/oder wenden Sie Methoden der Zusammenarbeit in Gruppen auch online an:
    • Organisieren Sie Kleingruppenarbeiten in extra Räumen „Breakout-Rooms“ (z.B. in Teams über das Anlegen von Kanälen). Beachten Sie, dass online Übungen mehr Zeit benötigen als im Präsenzunterricht – planen Sie genügend Zeit dafür ein, die Studierenden bei Kleingruppenarbeiten abzuholen und mit allen Gruppen während der Aktivität zu sprechen. So werden diese Übungen zu besonders wertvollen Lernaktivitäten!
    • Sie können die Studierenden z.B. im Vorfeld in (virtuellen) Kleingruppen eine Aufgabe bearbeiten lassen, z.B. Referat erstellen, Aufgabe lösen, Recherche durchführen (fördert soziale Kontakte und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl!). Die Ergebnisse dieser Kleingruppenarbeit können dann synchron vorgestellt und diskutiert werden; oder Sie gestalten auch asynchron: z.B. Kleingruppen laden Ergebnisse in Form von Bildern, Texten, Videos, Foliensätzen hoch, die gesamte Gruppe tauscht sich dann im Forum oder Chat darüber aus; Sie können diesen Austausch und diese Diskussion moderieren, strukturieren oder steuern, z.B. indem Sie Diskussionsfragen, Beurteilungskriterien vorgeben. Sie können z.B. auch vorgeben „ich als LVA-Leitung beantworte Fragen erst dann, wenn jemand von den Kolleg*innen aus der Studierendengruppe bereits versucht hat, die Frage zu klären.“ Somit erhöhen sie die Aktivität in Foren und den Austausch untereinander. Gut gestellte Fragen oder auch sehr gute Antworten auf Fragen können wie auch die Mitarbeit im Präsenzunterricht in die Beurteilung mit einfließen.

Feedback

Bei Online-Lehre ist das indirekte Feedback (Gesichtsausdruck, Mitarbeit, Fragen), welches Sie sonst im Hörsaal aufnehmen, nur sehr eingeschränkt verfügbar:

  • Definieren Sie die Evaluationskriterien und auch die Bewertungshilfe, -tools für jeden Leistungsnachweis, die Sie in der LVA haben werden noch klarer als im reinen Präsenzunterricht, um die Objektivität zu behalten.
  • Wenn Sie Ihren Studierenden Feedback zu einer Aufgabe geben, seien Sie wertschätzend, konkret und ermutigend, um leistungsorientiert und entwicklungsorientiert sein zu können.
  • Geben Sie so schnell wie möglich Feedback zu den Aufgaben.
  • Nutzen Sie unterschiedliche Feedback Formate: Audio, Video, schriftlich. Erstellen Sie eine Feedback Vorlage, die Sie schnell ergänzen können, damit Sie persönliches Feedback geben, wie es ihnen im Kurs geht (formatives Feedback) und wie sie ihre Arbeit verbessern können. Z.B. in Moodle, bei der Aktivität Aufgabe können Sie erweiterte Bewertungsmethode: Rubrik, Bewertungsrichtlinien nutzen.
  • Machen Sie die Bewertungen (Noten, Punkte) z.B. in Moodle für die Studierenden zugänglich, damit sie ihre Fortschritte mitverfolgen können.
  • Holen Sie aktiv Feedback von Ihren Studierenden ein, um die Studierenden in den Prozess der Gestaltung und Weiterentwicklung Ihrer Online-Lehre einzubeziehen. (z.B. über kurze Befragungen in MS Forms oder Moodle).

Quellen:
FH OÖ Best Practice Sammlung
Methodensammlung in der Lehre
IMD Toolbox
8 ways to make lesson fun and engaging in an online classroom (York, 2020)
Handreichung PRO Lehre (TU München)
Seminare online durchführen: Das sollten Sie beachten! (Hawlitschek)
53 Virtual Activity Ideas to Keep College Students Engaged During COVID-19 (Tandet, 2020)
Digitale Fortbildung (Goethe Institut)

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Author: Twana Towne Ret

Last Updated: 10/28/2022

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